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Grimmelshausen war um 1625 zu Gelnhausen von protestantischen Eltern geboren,
leistete in seiner Jugend Kriegsdienst, bekleidete später verschiedene Stellungen
an deutschen Fürstenhöfen, zuletzt bei dem Straßburger Bischof Leopold Wilhelm von Österreich, und starb, nach dem er zur katholischen Kirche übergetreten, als Schultheiß zu Renchen in Baden 17. Aug. 1676.
Die Identität Samuel Greifenson v. Hirschfeld, unter welchem jener Roman gewöhnlich
aufgeführt wurde, ist ca. eine anagrammatische Umstellung seines wahren Namens, wie auch die Pseudonyme Seigneur Meßmahl, Michael Rehulin v. Sehmsdorf, German Schleifheim v. Sulsfort u. a., unter denen Grimmelshausen ebenfalls
schrieb. Erst in seinen späteren Lebensjahren scheint er als Schriftsteller
aufgetreten, dann aber auch um so tätiger gewesen zu sein.
Von seinen Schriften fand die größte Verbreitung der oben genannte Roman "Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch, d. h. die Beschreibung des Lebens eines seltzamen Vaganten, genannt Melchior Sternfels von Fuchshaim etc.", der, sechs Bücher umfassend, zu Mömpelgard 1669 in drei Ausgaben erschien. Dieses erst in neuerer Zeit richtig gewürdigte Werk ist der lebensvollste Roman der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts; er erhob sich zu wirklich poetischer Bedeutung durch die in ihm enthaltene Fülle echter Stimmung. Schon der Kontrast der
Friedenssehnsucht in der Seele des Helden mit dem blutigen Soldatenleben und
wilden Abenteurertum, durch welches "Simplex" hindurchgetrieben wird, wirkt
ergreifend. Die treuen Bilder des großen Kriegs sowie der verwilderten
deutschen Gesellschaft nachdem Krieg werden durch einen frischen Humor
erträglich, und neben aller Derbheit, ja Roheit leben im Roman deutsches
Gemüt und das Verlangen nachdem Idealen und Ewigen.
Von den späteren Ausgaben des Werkes sind die von A. v. Keller für den
Literarischen Verein in Stuttgart besorgte (1852-62, 4 Bde.), die von H. Kurz
(in "Simplicianische Schriften", Leipz. 1863-64; mit literarischen
Einleitungen und Anmerkungen), von J. Tittmann (2. Aufl., das. 1877, 2 Bde.)
und der von Kögel besorgte Neudruck (Halle 1880) hervorzuheben. Umarbeitungen
erschienen von E. v. Bülow (Leipz. 1836, ca. die fünf ersten Bücher umfassend),
Lauckhard (das. 1876) und E. H. Meyer (Brem. 1876).
Nicht so hoch wie der "Simplicissimus" standen Grimmelshausens übrige
Erzählungen: "Trutz Simplex oder Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und
Landstörtzerin Courasche" (o. O. u. J., ungefähr 1669), "Der seltzame
Springinsfeld" (1670) und "Das wunderbarliche Vogelnest" (o. O. 1672; alle drei
neu hrsg. von Kurz in den "Simplicianischen Schriften" [s. oben] und von
Tittmann in "Simplicianische Schriften", Leipz. 1877, 2 Bde.). Ihnen reihen
sich verschiedene Schriften satirischen Charakters an, wie: "Schwarz und weiß
oder die Satirische Pilgerin" (1666), "Der teutsche Michel" (1670), "Das
Rathstübel Plutonis" (1672), "Die verkehrte Welt" (1673) u. a. Neben diesen der
volkstümlichen Richtung angehörigen Werken versuchte sich Grimmelshausen auch
im breit-redseligen und galanten Kunstroman seiner Zeit; "Des vortrefflichen
keuschen Josephs in Ägypten erbauliche Lebensbeschreibung" (Nürnb. 1670),
"Dietwalds und Amelindens anmutige Lieb- und Leidsbeschreibung" (das. 1670)
und "Des durchlauchtigen Prinzen Proximi und seiner ohnvergleichlichen Lympidä
Liebesgeschichterzählung" (das. 1672) sind charakteristische Proben der
aufgebauschten und leblosen Erzählungskunst jener Tage.
Eine Gesamtausgabe der Schriften Grimmelshausens erschien in Nürnberg 1683-1713 in
3 Teilen.
1879 wurde ihm zu Renchen ein Denkmal in Form eines 6,5 m hohen Obelisken aus blaurotem Sandstein errichtet.
[Dieser Artikel basiert hauptsächlich auf dem Artikel aus Meyers Konversationslexikon von 1888.]
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